Die Lese beginnt, bevor das erste Licht die Rebzeilen berührt. Die Entscheidungen werden im Morgengrauen beim Blick in den Himmel getroffen: Noch vor sieben Uhr stehen die Traktoren, die Kisten und die Winzerscheren bereit. Nun eine halbe Stunde später arbeitet man bereits zwischen den Reblättern. Die Septemberluft erwärmt sich schnell, doch die Erfahrung diktiert eine klare Regel: von Hand lesen, jede Traube sorgfältig auswählen und sie sofort ins Kühle bringen, um sie am nächsten Tag bei niedrigen Temperaturen zu verarbeiten.
Auf dem Maso Klinger holt die Familie Pilati seit hundert Jahren die Ernte ein. Die Reben wachsen auf fünfhundert Metern Höhe an Pergolen, die der Großvater im Jahr 1925 gepflanzt hat. Bis 2018 wanderten die Trauben in die Genossenschaftskellerei, doch dann beschlossen Enzo, Umberto und Lorena, ihren eigenen Wein zu keltern.